
aufgenommen auf der Insel Mainau
Es war einmal eine kleine Biene. Sie hatte sich
vorgenommen, irgendwann die Bienenkönigin in ihrem Bienenstamm zu werden. Das
setzte jedoch voraus dass die Biene wusste, welche Blume die schönste ist. Also packte die kleine Biene ihr Päckchen
und begab sich auf Wanderschaft.
Die erste Blume, die
ihr auf ihrer Wanderschaft begegnete war eine Sonnenblume. Die kleine Biene
erzählte worum es ging und die Sonnenblume begann zu sprechen. "Du brauchst nicht weiter zu wandern, denn du hast die
schönste Blume schon gefunden. Sie mich doch an. Bin ich nicht groß und schön? Nur weil ich schon schön bin darf ich mich
Sonnenblume nennen, nach der Sonne dem Wichtigsten was wir haben." Die
kleine Biene bedankte sich für die Information und flog weiter.
Als nächstes
entdeckte sie ein riesiges Tulpenfeld. Die Tulpen wisperten aufgeregt
miteinander. Sie hatten schon gehört, dass die kleine Biene die schönste aller
Blumen sucht. "Hier
her kleine Biene, hier her", riefen sie ihr zu. "Sieh uns an! Sind wir nicht stolz gewachsen, fein und
klar in unserer Form? Schönere Blumen als uns wirst du wohl kaum finden." Auch hier bedankte sich die kleine Biene und flog
weiter.
Die nächste Station
führte die kleine Biene in einen Rosengarten. Ein Meer von roten, rosa, gelben
und weißen Rosen lag vor ihr. "Du bist an Deinem Ziel angelangt", sprach die Führerin der Rosen. "Ich glaube nicht, dass du eine edlere Blume finden
wirst!"
Beeindruckt bedankte sich die kleine Biene und flog weiter.
"Hallo
Hallo!"
Huch, was war denn das? Wer hat denn hier gerufen? Die kleine Biene sah sich
um. "Hallo,
hier unten sind wir!" Die kleine Biene schaute nach unten und erblickte
viele kleine Gänseblümchen. "Immer werden wir übersehen, weil wir so klein sind", grummelten sie vor sich hin. "Aber wir sind nicht nur klein, sondern auch zart und
die Menschen nehmen uns oft für einen Abzählreim, ob der andere sie liebt", erklärten sie der Biene.
Nachdenklich legte
die Biene eine Rast ein.
Sie hatte jetzt vier
sehr unterschiedliche Blumensorten kennen gelernt. Alle waren davon überzeugt, dass sie die Schönsten und Besten waren. Dabei gab es noch tausende
anderer Blumen.
Die Biene beschloss
die Wanderschaft abzubrechen und umzukehren. Bei ihrer Rückkehr wurde sie zur, bereits altersschwachen,
Bienenkönigin
gebracht.
"Nun
sag mir, zu welcher Erkenntnis du gekommen bist. Du bist die erste Biene, die
so schnell zurückkommt.
Andere sind jahrelang unterwegs gewesen und manche sind bis jetzt noch nicht
zurückgekommen", gebot mit zittriger und auch hoffnungsvoller Stimme
die Bienenkönigin.
Denn sie sehnte sich schon länger danach, in den Ruhestand gehen zu können.
"Meine
Königin,
ich habe mir nur vier Blumensorten angeschaut. Alle sagen, dass sie die schönsten sind. Mir haben jedoch alle auf ihre Art gut
gefallen. Deshalb denke ich, dass es keine schönste Blume gibt. Alle Blumen sind schön. Und da jede einem anderen besser gefällt, verstehe ich auch nicht warum jede die Schönste sein möchte."
Tief atmete die Königin auf. Endlich hatte es jemand verstanden. Und so
kam es, dass die kleine Biene bald darauf zur neuen Bienenkönigin gekrönt wurde.

aufgenommen auf Elba 2008
Die Sternenhüterin
Es war einmal eine junge Frau. Sie war so sanftmütig und durchscheinend, als
wäre sie nicht von dieser Welt. Sie schwebte mehr, als sie ging und um ihre
Lippen sah man ständig ein mildes Lächeln. Ihre Augen waren klar und blau wie
ein Bergsee und man konnte sich in ihnen verlieren. Mit ihrer anmutigen
Haltung, dem immer klaren Blick und stets Wärme ausstrahlend, fiel sie auch den
Göttern auf.
Bei der nächsten Götterversammlung wurde dann über Shalaya gesprochen. Die Götter suchten einen reinen, unschuldigen Menschen, um diesem eine wichtige Aufgabe zu übertragen. Und Shalaya schien ihnen sehr geeignet.
Es wurde der junge Feneto, welcher halb Gott und halb Mensch war, beauftragt, Shalaya zur Götterversammlung zu holen. Feneto freute sich über diese, seine erste wichtige, Aufgabe. So schwebte er durch die Wolken herab, über die Meere hinweg, hin zur Küste, wo Shalaya in ihrer kleinen Hütte am Rande des Küstendorfes lebte.
Shalaya war nicht zu Hause, als Feneto vor ihrer Hütte
stand. Sie war in den Wald gegangen, in dem sich auch ein kleiner Teich befand.
Sie war gerne an dem Teich, um mit den Fischen zu sprechen. Feneto traute sich
zuerst gar nicht Shalaya anzusprechen, so verzaubert war er von ihrem Anblick.
Schließlich sah Shalaya das Spiegelbild Fenetos im Teich und schrak leicht
zusammen.
"Wer bist Du, und woher kommst Du?" "Ich bin Feneto, ich komme
von den Göttern um Dich zu holen. Du bist auserwählt, eine wichtige Aufgabe zu
erfüllen". Nur zitternd kamen ihm diese Worte über die Lippen. Er hatte
sich auf Anhieb in Shalaya verliebt. Da er wusste, das dies nie in Erfüllung
gehen durfte, war er den Tränen nah. Shalaya, die davon natürlich nichts
wusste, sah in ihm nur einen verwirrten, jungen Mann.
"So lass uns denn gehen", meinte Feneto, nachdem er sich wieder gefangen hatte. Er öffnete einen kleinen Beutel mit goldenem Pulver. "Was ist das Feneto?" fragte Shalaya neugierig. "Das ist Mondpulver. Das hilft Dir als Sterbliche, mit mir zu fliegen." Shalaya war jetzt doch ziemlich aufgeregt.
"Tritt näher, Shalaya. Du musst keine Angst
haben", sprach Xonochas. "Ich bin das Oberhaupt der Götter und wir
haben gemeinsam beschlossen, Dir eine sehr wichtige Aufgabe zu
übertragen." "Was, was ist denn das für eine Aufgabe", fragte
stammelnd die immer nervöser werdende Shalaya.
"Wir haben beschlossen, den Menschen vier Sterne zu schenken. Nur ein
Mensch kann diese Sterne zu ihrer Bestimmung erwecken, sie pflegen und behüten.
Und dieser Mensch bist Du!" "Oh!" Mehr brachte Shalaya nicht
raus.
"Allerdings musst Du für diese Aufgabe ein großes Opfer bringen", meinte Xonochas mit einem scharfen Seitenblick auf Feneto. "Du wirst immer eine reine, unschuldige Jungfrau bleiben müssen. Dafür wirst Du von uns unsterblich gemacht. Wenn Du Dich nicht an diese Regel hältst, gehen die Sterne für immer verloren und es wird dunkel in den Herzen der Menschen werden!" Feneto wandte sich schluchzend ab. Seine erste große Liebe und diese war ihm versagt. "Nimmst Du die Aufgabe an Shalaya?" fragte Xonochas mit ernster Stimme. "Ja, ich nehme die Aufgabe an!"
Und so legte Shalaya in einer feierlichen Zeremonie den heiligen Schwur ab, für immer die Hüterin der Sterne zu sein. Vollkommen eingehüllt in ein samtblaues Gewand, stand Shalaya bereit, die Sterne zu empfangen.
Zuerst trag Ilimirasa zu ihr. "Ich bin die Wärterin des Friedens und überreiche Dir den Stern TRANQUILLAS. Du musst selbst herausfinden, wie Du diesen Stern des Friedens am besten den Menschen nahe bringst." Shalaya verbeugte sich ehrfürchtig vor der alten Göttin und nahm den Stern entgegen.
Als zweiter trat Renegato vor. "Ich bin der vom Glück gesegnete und überreiche Dir den Stern FELICILLAS. Auch hier ist es Deine eigene Entscheidung, wie Du diesen Stern des Glücks den Menschen überreichst." Und Shalaya verbeugte sich vor dem gütig wirkenden Gott und nahm den Stern entgegen.
Der dritte im Bunde war Paridos. "Ich sorge bei den Göttern für die Harmonie und überreiche Dir den Stern LEVARSE. Wie die anderen vertraue ich Dir, dass Du den richtigen Weg findest, wie Du den Stern der Harmonie am besten einsetzen wirst!" Wieder verneigte sich Shalaya vor dem schon leicht ergrauten Paridos und nahm den Stern entgegen.
Am Schluss trat Lubilaja zu Shalaya. "Ich war und bin und werde immer die Liebe sein und darstellen. Ich überreiche Dir denSter ACARICIA mit der tiefsten Hoffnung, dass Du ihn richtig weitergibst!" Ein letztes Mal verbeugte sich Shalaya und nahm von der liebevollen Lubilaja den Stern entgegen.
"Nun mache Dich auf Deinen Weg und erfülle Deine Aufgabe", verabschiedete Xonochas sich von Shalaya.
Zuhause in ihrer Hütte angekommen, verstaute Shalaya die
Sterne ACARICIA, LEVARSE und FELICILLAS. Mit dem Stern TRANQUILLAS im Gepäck
flog sie nach dem fernen Land Kroslowia, in dem gerade ein erbitterter Krieg
herrschte. Nachts, als alle schliefen besuchte sie nacheinander alle Krieger in
ihren Zelten. Sie nahm deren Schwerter und rieb jedes an dem Stern TRANQUILLAS.
Danach packte sie den Stern wieder ein und kehrte in ihre Hütte zurück.
So kam es, dass am nächsten Tag niemand sein Schwert gegen den anderen erheben
konnte. Nachdem alles versucht worden war, trafen sich die Oberhäupter der
Länder und schlossen Frieden. Sie gingen sogar soweit, Botschafter in alle
Länder zu schicken um allen von einem Wunder, namens FRIEDEN zu erzählen.
Als nächstes machte sich Shalaya mit dem Stern FELICILLAS auf den Weg. Dieses Mal besuchte sie alle schlafenden Menschen in ihren Träumen. Sie brannte Ihnen mit FELICILLAS ein unsichtbares Mal auf die Stirn und sobald die Menschen am Tag darauf sich ihr Gesicht wuschen, bekamen sie den Gedanken, dass ihnen jede gute Tat Glück bringt. Seit diesem Tag waren alle Menschen bemüht, jeden Tag eine gute Tat zu vollbringen, damit ihnen das Glück hold blieb.
Shalaya war ziemlich erschöpft und machte sich erst wieder nach einer Woche auf den Weg. Dieses mal mit dem Stern LEVARSE. Sie hatte von Menschen gehört, die sich paaren und dann nicht mehr verstehen. Danach trifen sich diese Menschen vor Gericht, um sich zu trennen. Sie beschloss, dieses Mal alle Richter und Richterinnen zu besuchen. Diesen schreib sie in deren Terminkalender mit der unsichtbaren Tinte, die sie aus LEVARSE gepresst hatte, eine geheime Botschaft. So geschah es, dass die Richter und Richterinnen ab sofort eine wohltuende, harmonische Ruhe und Ausgeglichenheit ausstrahlten. Das hatte zur Folge, dass sich niemand mehr in ihrer Gegenwart streiten mochte. Die Richter und Richterinnen wurden alle Harmonietherapeuten und nach kurzer Zeit verstanden sich alle streitenden Menschen wieder.
ACARICIA bereitete Shalaya am meisten Kopfzerbrechen. Die Menschen neigten zu dieser Zeit dazu, das am wenigsten anzunehmen, was sie am meisten brauchten. Also musste sie einen Weg finden, den Stern so zu überreichen, dass es keiner merkt. Sie machte sich auf, zu ihrer schwierigsten Aufgabe und besuchte jeden Menschen - jung und alt - auf der ganzen Welt. Jedes Mal tat sie dem jeweiligen Menschen einen Tropfen von ACARICIA in ein Getränk. Sobald es geschluckt wurde, setzte sich der Tropfen in den Herzen der Menschen fest, so dass er daraus nicht mehr vertrieben werden konnte.
Es dauerte Jahre, bis Shalaya mit dieser Aufgabe fertig wurde. Sie selbst ist in diesen Jahren jedoch nicht gealtert, sondern noch schöner geworden.
Schöner geworden, in dem sie FRIEDEN, GLÜCK, HARMONIE und LIEBE in sich vereinbart hatte.
PS: Natürlich glaube ich nur an den einen Gott und nicht an Götter. Aber ich habe in der Realschule vieles über die griechische Mythologie gelesen, gehört und gelernt. Ich habe die Geschichte in die Zeit der Götter spielen lassen, weil das einfach dazu passt.
geschrieben 2002 - Fortsetzung war geplant, aber bis dato nicht umgesetzt