
aufgenommen im Hafen von Piombino
Sprossenstürmer und Kabelträger
Sprossenstürmer
vorwärts geht dein Weg
Rechts und Links
das kennst du nicht
Hürden schiebst du beiseite
mit elegantem Schwung
wer dir im Weg steht
bekommt einen Tritt
schmunzelst du vor dich hin
und runzelst die Stirn
wenn er sich beschwert
dir lästige kleine Stöße abzunehmen
voll Hoffnung verzehrend
für ein anerkennendes Lächeln von dir
Es ist ja so leicht
alle zu überzeugen
lauft mit mir mit
und es ist gut
Denkst nicht daran
dass auch du mal stolpern
und hinfallen kannst
ganz heftig
dass du dann Probleme hast
denn deine Kabelträger
haben von dir nur das Stossen, nicht das Aufheben gelernt
geschrieben 2001

aufgenommen in einem Museum auf Elba
Schulung des Chefvampir Darius
Darius ist ein Vampir, aber
nicht einer der üblichen Sorte. Die Überlieferung
sagt ja, dass Vampire den Menschen das Blut aussaugen. So
ernähren sie sich, um zu überleben.
Nun ist seit einiger Zeit jedoch eine neue Gruppe von Vampiren
aufgetaucht. Sie brauchen auch Nahrung zum überleben,
jedoch kein Blut. Die neuen Vampire saugen Gedanken, Meinungen und schöne
Gefühle der anderen Menschen auf.
Darius ist perfekt darin. Deshalb führt
er auch die Gruppe der neuen Vampire an. Heute ist eine Schulung angesagt,
welche Darius selbst leiten wird. Folgende Punkte werden besprochen:
1. Wie schaffe ich es, dass
die Menschen nicht gleich erkennen, das
ich ein Vampir bin.
2. Wie erkenne ich die passenden Opfer?
3. Wie habe ich meine Opfer immer noch in der Hand, selbst wenn sie
mich doch erkannt haben.
Das sind natürlich sehr wichtige Punkte und deshalb ist
die Schulung voll ausgebucht.
Darius beginnt seine Ausführungen.
Zu Punkt 1 ist zu sagen. Die meisten Menschen sind leicht zu
beeinflussen, da sie ja doch lieber an das Gute als an das Schlechte glauben.
Gebt euch am Anfang wie ein solcher Mensch. Tut erst mal vermeintlich Gutes. Überzeugt
sie vor allem von euren Ideen. Dies müsst
ihr sehr regelmäßig machen, ohne Pause, so dass es eine
richtige Gehirnwäsche wird. Wenn ihr das einmal geschafft
hat, fressen sie euch aus der Hand.
Aber nehmt euch in Acht vor den wenigen, die nicht als Opfer geeignet
sind. Lasst es nicht zu, dass diese Ignoranten eure
Opfer beeinflussen. Macht sie schlecht und unglaubwürdig,
wo immer es möglich ist. Auch dies muss mit einer Regelmäßigkeit
geschehen. Damit ihr aber nicht in einen Verdacht geratet, übergebt
auch mal einem Kollegen die Aufgabe.
Ach ja, warum Kollege und nicht Freund. Nun es muss euch klar sein,
selbst wenn wir uns Freunde nennen, werden wir nie welche sein. Auch wir
Vampire werden uns gegenseitig immer benützen
und ausnutzen. Denn wir haben es in unserer Natur, nur auf unseren Vorteil
bedacht zu sein.
Zu Punkt 2: Passende Opfer gibt es mehr als genug. Da sind zum einen,
psychisch labile Menschen. Mit denen hat man es am leichtesten. Man muss
sie nur Glauben lassen, man möge sie. Dies setzt natürlich
ein extremes Maß an Geduld voraus, weil man sich zu jeder Tages- und Nachtzeit
ihr Gejammere anhören muss.
Dann gibt es noch die, die nicht unangenehm auffallen oder unbedingt
von allen geliebt werden wollen. Oder aber noch die, welche etwas zu verheimlichen
haben.
Zu Punkt 3: Nun, hier hilft dann nur noch Erpressung oder Bestechung.
Ich gehe davon aus, ihr habt eure Lektion gelernt und euren Opfern erst mal
alles Wissenswerte und alle Geheimnisse aus ihnen herausgesaugt. Damit sind sie
schon mal erpressbar. Oder aber ihr wisst, was sie schon immer haben wollten.
Dann lasst es ihnen zukommen. Vergesst aber nicht, eure Spuren zu verwischen.
Es darf nicht beweisbar sein, dass ihr der Absender seit.
So ich denke mal, für die heutige Schulung
hat es gereicht. Bei Bedarf setzte ich gerne eine neue Schulung.
Euer Darius, Chefvampir
geschrieben 2001 nachdem ich dementsprechende Beobachtungen und Erfahrungen mit solchen "Vampiren" gemacht habe

aufgenommen auf Elba 2008
Prinzessin verzweifelt gesucht!
Wer glaubt denn so etwas? In Serbien werden per Internet gleich drei Prinzessinnen gesucht, und das wiederum war dem Neuen Tag eine Meldung wert. Die haben wohl auch noch im Herbst ein Sommerloch, oder glauben die ernsthaft, dass heutzutage eine halbwegs intelligente Frau noch Prinzessin werden möchte?
Aber Moment einmal, wenn ich da an Celina denke, das könnte so eine Kandidatin sein. Celina ist nämlich nicht von dieser Welt, bzw. lebt in einer anderen Realität. Sie ist ernsthaft davon überzeugt, alle anderen Menschen sind nur auf der Welt, um sie zu bedienen, zu hofieren und auf ihr Kommando zu hören.
Wenn sie einmal lange genug nachdenken, finden Sie in ihrem Bekanntenkreis
bestimmt auch so eine Celina. Das geht bei solchen Celinas schon im
Kinderwagenalter los. Eltern, die eine Celina in die Welt setzen, müssen reich
und sportlich sein.
Wie, sie können sich beim besten Willen nicht vorstellen, warum die sportlich
sein sollen? Ist doch ganz klar! Celina könnte es nicht ertragen, im Schatten
eines anderen Kinderwagens oder gar im Schatten einer Big Mammy oder eines Big
Daddys hinterher geschoben zu werden. Das gäbe ein lautes Geplärre. Nein, Celinas Eltern müssen fit genug sein, um bei der alltäglichen Kinderwagenralley
ganz vorne zu sein. Schließlich geht es ja dann weiter zum
Ich-möchte-wieder-mal-bewundert-werden-Spielplatz. Und wenn Celinas Kinderwagen
hier zuerst steht, und sie, wie eine Prinzessin herausgeputzt, scheinheilig
krähend den Platz an der Sonne belegt, müssen alle später Ankommenden sie
bewundern und sie kann Hof halten.
So eine Celina hat schon im frühesten Alter den Bogen heraus, wie sie Menschen manipulieren kann. Sie ist diejenige, der die kleinen, blond gelockten Jungs bereits im Kindergarten ein verschüchtertes Bussi auf die Wange drücken und sich später, dann zwar immer noch blond, aber nicht mehr gelockt, in den ersten Schuljahren fast darum prügeln, wer ihr sein Pausenbrot schenken darf. Da können noch so viele nette, hübsche, kluge und liebenswerte, aber eben auch brave und ehrliche Mädchen daneben stehen. Celina ist es, die immer alles und jeden bekommt und dann, nach Gebrauch oder bei Langeweile, wegwirft. Bei solchen Celinas zieht sich das wie ein roter Faden durchs ganze Leben.
Und nun stellen Sie sich einmal vor, meine Celina, bereits zweimal
geschieden und kinderlos (denn Kinder könnten ja der schlanken Figur schaden),
liest so eine Anzeige. Die ist doch nicht mehr zu halten. Zwar geht es da um
Serbien, wo die Monarchie schon abgeschafft ist, und es geht auch nicht um den
Kronprinzen, denn der ist ja schon 60, sondern um den 25jährigen Prinz Peter
und seine 23jährigen Zwillingsbrüder Alexander und Philipp.
Ja schon klar, die Mehrzahl denkt sich jetzt, Celina ist ja erst 31 und was
sind schon sechs oder acht Jahre Altersunterschied. Ja, gibt es denn so etwas?
Haben Sie vielleicht nicht aufgepasst, als ich ihnen Celina etwas näher
gebracht habe? Glauben sie wirklich, Celina wäre damit zufrieden einen Prinzen
zu heiraten, der zwar beim Tod des Vaters Kornprinz werden würde, aber niemals
König, weil die Monarchie abgeschafft ist? Nein, glauben sie mir. Ich kenne
unsere Celina besser und kann mir ihre Gedankengänge gut vorstellen und weiß
deshalb auch, wie es weiter geht.
Celina fährt erst einmal in die Niederlande. Dort wirft sie sich dem Kronprinz Willem Alexander an den Hals. Das geht relativ problemlos, weil dieser gerne flirtet und sie seiner Maxima ziemlich ähnlich sieht. Während Maxima ihren Vater im fernen Argentinien besucht, becirct Celina den Willem Alexander so lange, bis dieser Königin Beatrix davon überzeugt, ein Machtwort zu sprechen und Milosevic aus der U-Haft in Den Haag zu entlassen. Mit einem Privatjet, den der gehörnte Willem Alexander (was er aber noch nicht weiß, das mit dem gehörnt sein meine ich) Celina zur Verfügung stellt, fliegt Celina mit Milosevic nach Serbien und lässt ihn mit einem Pusch den Kostunica abservieren. Als Dank für ihre Hilfe heiratet Milosevic Celina.
Ach, sie fragen sich was das soll, wo Celina doch eine Prinzessen bzw.
spätere Königin werden möchte? Jetzt aber nur nicht ungeduldig werden. Das
läuft schon alles nach Plan. Nach der Heirat bricht sich Milosevic ziemlich
bald, bei einem mysteriösen Fenstersturz das Genick und Celina ist wieder frei
und eine Präsidentenwitwe. Wie das mit dem Fenstersturz gekommen ist, brauche
ich wohl nicht näher zu erklären!
Als Präsidentenwitwe ist sie nun die erste Wahl für das Kronprinzenhaus. Denn,
wie von Celina insgeheim gehofft, gönnt der 60jährige Kronprinz seinen Söhnen
keine Präsidentenwitwe, sondern will selbst noch einmal dran kommen. Klar, dass
der ziemlich bald bei Elviras unermüdlichen Bedürfnissen schlapp macht. Und
nun ist Celina eine Präsidenten- und Kronprinzenwitwe, außerdem hat sie sich
nun doch zur Schwangerschaft entschlossen und bekommt Drillinge.
Muss ich das noch erklären? Ja? Ehrlich, ich hätte schon etwas mehr gedankliche Folgelogik von ihnen erwartet. Natürlich hat sie während ihrer Ehe mit allen drei, doch ziemlich knackigen Prinzen angebändelt und bekommt nun von jedem ein Kind. Und weil Celina schon immer alles und jeden manipuliert hat, hat sie das auch noch irgendwie gedeichselt, diese als Drillinge in einem Aufwasch zu bekommen.
Aufgrund dieser Meisterleistung wird übrigens zu Weihnachten in Serbien wieder die Monarchie eingeführt und Celina zur Königin gekrönt. Prinzessinnen für die Prinzen werden übrigens immer noch gesucht. Celina hat gerade eine neue Anzeige ins Internet gesetzt, die da lautet: "Suche für meine lieben Stiefsöhne anmutige, schüchterne Mädchen, die sich als Prinzessin ausbilden lassen möchten."
Wer sich da wohl alles melden wird?
PS: Die Zeitungsanzeige gab es damals wirklich. Der Rest ist frei erfunden und ganz bewußt überspitzt geschrieben.
geschrieben 2005

Warum der weiße Handschuh verrückt wurde
Es war einmal ein weißer Handschuh. Nicht zu groß und nicht zu klein. Er gehörte zur Sorte der Arbeitshandschuhe, wie man sie in Firmen braucht, die mit Kabeln arbeitet. Als er in der Firma ankam, war er wie die anderen Handschuhe einzeln verpackt. Fein säuberlich geordnet kam er in den Schrank, welcher verschlossen wurde. Nun war unser Handschuh ein wenig ängstlich und auch ziemlich sensibel. Außerdem war er die Dunkelheit nicht gewöhnt. "Aber", so sagte er sich, "lange kann es bei so einer Firma ja nicht dauern, bis ich gebraucht werde". Also ging er tapfer daran, die Dunkelheit und das Eingesperrtsein zu ertragen.
Worau er nie gekommen wäre: Das Problem lag an seiner normalen Größe! Dabei war er so stolz darauf, normal zu sein - also der Norm zu entsprechen. Er hatte es sich, als er produziert wurde ja sogar aussuchen können, ob er klein, normal oder groß sein will. Nun klein wollte er auf keinen Fall sein, denn er hatte gehört dss es bei Handschuhen wie bei Männern ist. Je kleiner sie sind, umso giftiger werden sie mit der Zeit und so manch einer ist von einem Höhenflug schon kolossal abgestürzt. Zu groß wollte er auch nicht sein, weil er tief inseinem Inneren wusste, dass er mit Größe nicht so recht umgehen kann. Als "Normalo" so dachte er, könnte er sich unauffällig und ohne großen Aufwand durch sein Handschuhleben schlängeln.
Nach mehreren Tagen begann er jdoch zum ersten Mal an seiner Entscheidung zu zweifeln. Nahezu täglich wurde der Schrank von einem Mann in mittleren Jahren, mit einer sehr lauten Stimmen, geöffnet und die einzelnen Handschuhe von großen Händen kräftig durchgeschüttelt. Dann wurden entweder ein Paar kleine oder ein Paar große Handschuhe entnommen.
Nachdem er über einen Monat im Schrank war und immer nur etwas Luft bekam wenn ein anderer Handschuh dieses "Gefängnis" verlassen durfte, überkam ihn tiefe Verzweiflung. Er zweifelte an sich und und fiel in eine Depression. Oft versuchte er seine Bedürfnisse, Gedanken und Gefühle dem Mann mit der lauten Stimme mitzuteilen. Aber der hörte ihn nicht oder wollte ihn nicht hören, weil das ja auch eine große Schwäche dieses Mannes war. "Eigentlich logisch", dachte der Handschuh, "wer immer redet und das auch noch in dieser Lautstärke, der kann ja gar nicht zuhören".
Leider half dem Handschuh diese Erkenntnis nicht weiter und so zog sich sein trübsinniges Dasein weiter dahin. Neulich hatte er zusätzlich noch eine weibliche, auch recht laute, aber nicht unangenehme Stimme gehört. Wenn er das zum Teil mitgehörte Gespräch richtig interpretierte ging es darum, dass der Mann der Frau keine Handschuhe geben wollte. "Aber ich bin doch hier", schrie er fast, was aber bei dem Streitgespräch völlig unterging.
Nach Monaten, die ihm wie Jahre vorkamen, wurde er endlich aus dem Schrank befreit und zu der Frau von damals gebracht. Ensprechend ihrem Luxuskörper hatte sie kleine Hände, aber die kleinen Handschuhe waren Mangelware. "Ach" meinte er zuversichtlich, langsam aus der Starre seiner Depression aufwachend, "auch wenn ich zu groß bin oder vielleicht gerade deswegen, werde ich ihre Hände wärmen und ihre zarten Fingerchen beschützen".
Die Zuversicht hielt jedoch nicht lange an. Als er über ihre Hände schoben wurde, packte ihn das kalte Grauen! Igitt, was war das denn? Lauter Pusteln, pickelartige Quasteln und löcherartige Hautabschürfungen, die zudem noch ekel an seinem zarten Handschuhstoff scheuerten. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, schob ihm die Frau auch noch Latex-Handschuhe über. Sie behauptete, dass dann die Passform besser wäre. Er aber fühlte sich eingeengt und wie im Gefängnis!
Dies alles hatte zur Folge, dass er verrückt wurde, zu nässen begann und in die Babyphase zurück fiel.
Wird heutzutage über diesen Handschuh gesprochen, dann ist er unter dem Namen "Bettnässer-Handschuh" bekannt.
geschrieben 10/2008