
Der Geist des Doktor Eisenbarth (2006)
Der Geist erzählt, wie es wirklich war.
Vorwort:
Oberviechtach, wird die Stadt des Dr. Eisenbarth genannt, weil hier Johann Andreas Eisenbarth 1663 geboren wurde. Die meisten, denen der Name in dem Sinne nichts sagt, kennen zumindest das Spottlied "Ich bin der Doktor Eisenbarth, kurier' die Leut' nach meiner Art ..."
Doktor Johann Andreas Eisenbarth (1663 - 1727) war ein begnadeter Okkultist, Bruch- und Steinschneider, ohne studiert zu haben und zog sich somit oftmals den Neid studierter, aber auch eingefahrener Ärzte zu. Diese sorgten auch dafür, dass er den Ruf eines Quacksalbers und Scharlatans hatte. Eisenbarth beherrschte jedoch sein Handwerk wirklich. Er studierte zwar nicht, hatte aber neben einer natürlichen Begabung bereits als Kind eine gründliche, zehnjährige Ausbildung in Bamberg genossen und legte nach seiner Wanderzeit in Laufen bei Salzburg seine Gesellenprüfung ab.
Die Uraufführung des Doktor-Eisenbarth-Festspieles in Oberviechtach fand 2002 statt und mittlerweile ist es fest etabliert. Die Grundstruktur des Spieles ist zwar immer gleich, jedoch hat laut dem Programmheft die dramaturgische Konzeption des Stückes nichts Endgültiges. So wurde es ab 2005 noch authentischer und abwechslungsreicher und dieses Jahr kam auch ein Markttreiben hinzu.
Normalerweise sind die Karten oft schon Wochen voraus ausverkauft. Lediglich der WM 2006 hatte ich es zu verdanken, mir noch im letzten Moment eine Karte besorgen zu können.
2006:
Das Markttreiben:
Als ich die Karte kaufte, sagte man mir, das Markttreiben beginnt um 18.30 Uhr und endet kurz vor 21.00 Uhr, weil dann das Festspiel beginnt. Da ich die Oberviechtacher kenne, ging ich erst kurz vor 19.00 Uhr los. Und in der Tat, es hätte auch gerecht, ab 19.30 Uhr anwesend zu sein, denn dann erst begann der Marktplatz sich zu füllen, und die Marktstände, ein Teil des Oberviechtacher Spielmannszug und die Gaukler hatten ihr verdientes Publikum. Für die Kinder waren natürlich die Tiere, vor allem ein Ziegenpärchen mit am interessantesten. Ein junges Mädchen wanderte den ganzen Abend auf meterhohen Stelzen über den Marktplatz. Ich hätte mich nicht um diesen Job gerissen, da unser Marktplatz ein Kopfsteinpflaster hat. Eine Freundin von mir meinte lachend, sie könne hier nicht mal mit Stöckelschuhen laufen. Man sah jonglierende Gaukler, konnte Liebestränke und andere Elixiere kaufen, unter anderem das berühmte Doktor-Eisenbarth-Elixier, das man auch nur in Oberviechtach bekommt. Das, auf dem Spießgebratene, Spanferkel war erstaunlich schnell an den Mann bzw. die Frau gebracht. Zwischendurch bimmelte immer wieder der Marktschreier mit seiner großen Glocke und forderte zum Verzehr auf.
Begrüßung:
Vor dem Festspiel begrüßte der Bürgermeister allen Anwesenden, Prominenten und den diesjährigen Schirmherrn, Dr. Goppel. Ihn hatte man bei dem traditionellem Patenbitten überredet, den Schirmherrn zu machen. Seiner anschließenden Rede war jedoch zu entnehmen, dass er sich sehr gerne überreden hat lassen. Die Rede war zum Teil recht witzig, so meinte er, vielleicht gelinge Oberviechtach durch den Eisenbarth ja ein zweites Marktl. Er sprach auch den Status der Bayern an, da viele die Bayern als etwas Besonderes (manche negativ und viele positiv) ansehen. Seine Meinung dazu ist, wir Bayern seien nichts besonderes, wir sind einmalig. Und wenn man sich seiner Einmaligkeit bewusst wäre und jeden als einmalig betrachten würde, wäre es auf der Welt friedlicher und jeder hätte mehr Respekt voreinander. Nachdem er sich in das Goldene Buch der Stadt eingetragen hat, ging es kurz nach 21.00 Uhr mit dem Festspiel los.
Das Festspiel:
Es wurde mit einer Szene in einem Gasthaus begonnen, wo Studenten das berühmte Spottlied auf Doktor Eisenbarth sangen. Ein grauhaariger, alter Mann verließ darauf erzürnt den Gasthof und der Wirt schickte seine Tochter nach, um den Mann zu beruhigen und zurückzuholen. Die Tochter stellte schnell fest, dass es sich hier um den Geist von Doktor Eisenbarth handelte und ließ sich von ihm erzählen, wie es wirklich war.
Dieses Erzählen wurde dann jeweils nachgespielt und vor jedem neuen, wichtigen Abschnitt im Leben des Doktor Eisenbarths kamen der Geist und das Mädchen zu einer kurzen Unterhaltung auf die Bühne.
Im ersten Teil ging es um die Kindheit des Doktor. Eisenbarth, von seiner Mutter liebevoll "Hansl" genannt. Ihr war es gar nicht recht, dass der Vater Matthias dem Jungen das Versprechen abnahm, Arzt zu werden. Dennoch erfüllte sie den letzten Wunsch von Matthias und schickte Andreas nach dessen Tod zu einem Verwandten nach Bamberg in die Lehre.
Im zweiten Teil geht es dann darum, dass Andreas endlich auf die Wanderschaft gehen möchte. Pankraz, ein gerissener Dieb, klaut ihm jedoch sein ganzes Erspartes. Als Pankraz jedoch eine Unterhaltung mithört, und versteht dass Eisenbarth eigentlich ein armer Mann ist, gibt er ihm fast alles zurück und wird sein Gehilfe. Er ist es, der künftig die Werbung für ihn organisiert und mit einem ganzen Zug an Gauklern in die Städte einzieht, um das Kommen des Doktor Eisenbarth anzukündigen.
Im dritten Teil lernt Eisenbarth seine Frau Elisabeth kennen und macht sich mehrere Ärzte, darunter den bekannten Dr. Schmalkald, zum Feind. Letztendlich ist es Futterneid, was die Ärzte bewegt. Jedoch besteht er das Examen, zu dem er herausgefordert wurde, mit Bravour.
Nach dem dritten Teil gab es eine 20minütige Pause. Die war auch notwendig, denn es war mittlerweile doch merklich abgekühlt, und alle die keine Decken, Umhänge oder Jacken dabei hatten, brauchten schon etwas Bewegung, damit ihnen wieder warm wurde. In der Pause waren auch die Stände wieder geöffnet und man konnte essen und trinken.
Nach der Pause ging es im vierten Teil mit großem Getöse und fast zirkusreifen Auftritten der Gaukler statt, die meist von Schülern des Gymnasiums Oberviechtach gespielt wurden. Nun hatten die Jongleure, Akrobaten, Feuerschlucker und Turner ihren Auftritt und verstanden es, das Publik restlos zu begeistern. Doktor Eisenbarth ist mittlerweile berühmt und kann sogar einen blinden Jungen heilen.
Im fünften Teil wird er nach Preußen gerufen. Nachdem er den "Fressgrafen" und den alkoholsüchtigen Graf von Hohenstein mit Bereitschaft deren Gattinnen durch eine "Scheinkur" heilte, wurde er von König Friedrich Wilhelm I., auch Soldatenkönig genannt, gebeten den Obristen von Grävenitz zu heilen. Er hatte eine Kugel nahe am rechten Auge und war schon vom Tode gezeichnet. Durch diese erfolgreiche Operation, gab auch endlich Dr. Schmalkald seinen Widerstand gegen Doktor Eisenbarth auf und sorgte mit dafür, dass er endlich anerkannt wurde.
Meine Meinung:
Es gab Karten für 10 und für 12 Euro und dieser Eintrittspreis hat sich meines Erachtens voll gelohnt. Das Stück, die Akteure und auch die vielen Kostüme waren absolut authentisch und man merkte den Laienschauspielern die Freude und die Identifizierung am Spiel und ihren Rollen an. Es kam keinen einzigen Moment Langeweile auf und obwohl das Spiel erst abends beginnt ist es auch unbedenklich für Kinder geeignet. Ein Mädchen, vielleicht zehn Jahre alt, die hinter mir saß, sagte begeistert zu ihrem Vater, dass sie da auch mal mitspielen möchte.
Die Inszenierung war hervorragend und ich bin sicher, dass dieses Festspiel noch jahrelang aufgeführt und noch mehr, als bis jetzt, weit über die Grenzen Oberviechtachs hinaus bekannt wird. Die Atmosphäre beim Spiel war so gut, dass man sich gut vorstellen konnte, mitten im Geschehen zu sein. Gerade weil auch 'Pankraz' immer wieder mal mit dem Publikum sprach.
Auch wenn es tagsüber sehr heiß ist, empfehle ich jedem Besucher des Festspiels sich eine warme Jacke oder gar eine Wolldecke mitzunehmen. Das Spiel dauert recht lange, die Pause war um 22.30 Uhr und es ging bis ca. 0.00 Uhr. So kühlte es nach einer Zeit doch recht ab. Weil viele das vorher aber nicht glauben wollen, gibt es auch Wolldecken für zwei Euro zum ausleihen, was nach der Pause auch von einigen genutzt wurde.
Ich kann jedem mit geschichtlichem Interesse und Spaß am Laientheater dieses Festspiel nur weiter empfehlen. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.
Die Atmosphäre auf dem Marktplatz war, nachdem er gefüllt war, schön und man konnte sich schon in frühere Jahre zurück versetzt fühlen.
Das Festspiel ist leicht zu erreichen, da es mitten auf dem Markplatz stattfindet und man zu Fuß hingehen kann.
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