copyright by Gerlinde F. Bauer, Oberviechtach

aufgenommen auf der Insel Mainau
Wie die kleine Biene zur Bienenkönigin wurde


Es war einmal eine kleine Biene. Sie hatte sichvorgenommen, irgendwann die Bienenkönigin in ihrem Bienenstamm zu werden. Dassetzte jedoch voraus dass die Biene wusste, welche Blume die schönste ist. Also packte die kleine Biene ihr Päckchenund begab sich auf Wanderschaft.

 

Die erste Blume, dieihr auf ihrer Wanderschaft begegnete war eine Sonnenblume. Die kleine Bieneerzählte worum es ging und die Sonnenblume begann zu sprechen. "Du brauchst nicht weiter zu wandern, denn du hast dieschönste Blume schon gefunden. Sie mich doch an. Bin ich nicht groß und schön? Nur weil ich schon schön bin darf ich michSonnenblume nennen, nach der Sonne dem Wichtigsten was wir haben." Diekleine Biene bedankte sich für die Information und flog weiter.

 

Als nächstesentdeckte sie ein riesiges Tulpenfeld. Die Tulpen wisperten aufgeregtmiteinander. Sie hatten schon gehört, dass die kleine Biene die schönste allerBlumen sucht. "Hierher kleine Biene, hier her", riefen sie ihr zu. "Sieh uns an! Sind wir nicht stolz gewachsen, fein undklar in unserer Form? Schönere Blumen als uns wirst du wohl kaum finden." Auch hier bedankte sich die kleine Biene und flogweiter.

 

Die nächste Stationführte die kleine Biene in einen Rosengarten. Ein Meer von roten, rosa, gelbenund weißen Rosen lag vor ihr. "Du bist an Deinem Ziel angelangt", sprach die Führerin der Rosen. "Ich glaube nicht, dass du eine edlere Blume findenwirst!"Beeindruckt bedankte sich die kleine Biene und flog weiter.

 

"HalloHallo!"Huch, was war denn das? Wer hat denn hier gerufen? Die kleine Biene sah sichum. "Hallo,hier unten sind wir!" Die kleine Biene schaute nach unten und erblickteviele kleine Gänseblümchen. "Immer werden wir übersehen, weil wir so klein sind", grummelten sie vor sich hin. "Aber wir sind nicht nur klein, sondern auch zart unddie Menschen nehmen uns oft für einen Abzählreim, ob der andere sie liebt", erklärten sie der Biene.

 

Nachdenklich legtedie Biene eine Rast ein.

 

Sie hatte jetzt viersehr unterschiedliche Blumensorten kennen gelernt. Alle waren davon überzeugt, dass sie die Schönsten und Besten waren. Dabei gab es noch tausendeanderer Blumen.

 

Die Biene beschlossdie Wanderschaft abzubrechen und umzukehren. Bei ihrer Rückkehr wurde sie zur, bereits altersschwachen,Bienenkönigingebracht.

"Nunsag mir, zu welcher Erkenntnis du gekommen bist. Du bist die erste Biene, dieso schnell zurückkommt.Andere sind jahrelang unterwegs gewesen und manche sind bis jetzt noch nichtzurückgekommen", gebot mit zittriger und auch hoffnungsvoller Stimmedie Bienenkönigin.Denn sie sehnte sich schon länger danach, in den Ruhestand gehen zu können.

 

"MeineKönigin,ich habe mir nur vier Blumensorten angeschaut. Alle sagen, dass sie die schönsten sind. Mir haben jedoch alle auf ihre Art gutgefallen. Deshalb denke ich, dass es keine schönste Blume gibt. Alle Blumen sind schön. Und da jede einem anderen besser gefällt, verstehe ich auch nicht warum jede die Schönste sein möchte."

 

Tief atmete die Königin auf. Endlich hatte es jemand verstanden. Und sokam es, dass die kleine Biene bald darauf zur neuen Bienenkönigin gekrönt wurde.


aufgenommen auf Elba 2008

Die Sternenhüterin


Es war einmal eine junge Frau. Sie war so sanftmütig und durchscheinend, alswäre sie nicht von dieser Welt. Sie schwebte mehr, als sie ging und um ihreLippen sah man ständig ein mildes Lächeln. Ihre Augen waren klar und blau wieein Bergsee und man konnte sich in ihnen verlieren. Mit ihrer anmutigenHaltung, dem immer klaren Blick und stets Wärme ausstrahlend, fiel sie auch denGöttern auf.


Bei der nächsten Götterversammlung wurde dann über Shalayagesprochen. Die Götter suchten einen reinen, unschuldigen Menschen, um diesemeine wichtige Aufgabe zu übertragen. Und Shalaya schien ihnen sehr geeignet.

Es wurde der junge Feneto, welcher halb Gott und halb Mensch war,beauftragt, Shalaya zur Götterversammlung zu holen. Feneto freute sich überdiese, seine erste wichtige, Aufgabe. So schwebte er durch die Wolken herab,über die Meere hinweg, hin zur Küste, wo Shalaya in ihrer kleinen Hütte amRande des Küstendorfes lebte.

Shalaya war nicht zu Hause, als Feneto vor ihrer Hüttestand. Sie war in den Wald gegangen, in dem sich auch ein kleiner Teich befand.Sie war gerne an dem Teich, um mit den Fischen zu sprechen. Feneto traute sichzuerst gar nicht Shalaya anzusprechen, so verzaubert war er von ihrem Anblick.Schließlich sah Shalaya das Spiegelbild Fenetos im Teich und schrak leichtzusammen.
"Wer bist Du, und woher kommst Du?" "Ich bin Feneto, ich kommevon den Göttern um Dich zu holen. Du bist auserwählt, eine wichtige Aufgabe zuerfüllen". Nur zitternd kamen ihm diese Worte über die Lippen. Er hattesich auf Anhieb in Shalaya verliebt. Da er wusste, das dies nie in Erfüllunggehen durfte, war er den Tränen nah. Shalaya, die davon natürlich nichtswusste, sah in ihm nur einen verwirrten, jungen Mann.

"So lass uns denn gehen", meinte Feneto, nachdem er sich wiedergefangen hatte. Er öffnete einen kleinen Beutel mit goldenem Pulver. "Wasist das Feneto?" fragte Shalaya neugierig. "Das ist Mondpulver. Dashilft Dir als Sterbliche, mit mir zu fliegen." Shalaya war jetzt dochziemlich aufgeregt.

"Tritt näher, Shalaya. Du musst keine Angsthaben", sprach Xonochas. "Ich bin das Oberhaupt der Götter und wirhaben gemeinsam beschlossen, Dir eine sehr wichtige Aufgabe zuübertragen." "Was, was ist denn das für eine Aufgabe", fragtestammelnd die immer nervöser werdende Shalaya.
"Wir haben beschlossen, den Menschen vier Sterne zu schenken. Nur einMensch kann diese Sterne zu ihrer Bestimmung erwecken, sie pflegen und behüten.Und dieser Mensch bist Du!" "Oh!" Mehr brachte Shalaya nichtraus.

"Allerdings musst Du für diese Aufgabe ein großes Opfer bringen",meinte Xonochas mit einem scharfen Seitenblick auf Feneto. "Du wirst immereine reine, unschuldige Jungfrau bleiben müssen. Dafür wirst Du von unsunsterblich gemacht. Wenn Du Dich nicht an diese Regel hältst, gehen die Sternefür immer verloren und es wird dunkel in den Herzen der Menschen werden!"Feneto wandte sich schluchzend ab. Seine erste große Liebe und diese war ihmversagt. "Nimmst Du die Aufgabe an Shalaya?" fragte Xonochas miternster Stimme. "Ja, ich nehme die Aufgabe an!"

Und so legte Shalaya in einer feierlichen Zeremonie denheiligen Schwur ab, für immer die Hüterin der Sterne zu sein. Vollkommeneingehüllt in ein samtblaues Gewand, stand Shalaya bereit, die Sterne zuempfangen.

Zuerst trag Ilimirasa zu ihr. "Ich bin die Wärterin des Friedens undüberreiche Dir den Stern TRANQUILLAS. Du musst selbst herausfinden, wie Dudiesen Stern des Friedens am besten den Menschen nahe bringst." Shalayaverbeugte sich ehrfürchtig vor der alten Göttin und nahm den Stern entgegen.

Als zweiter trat Renegato vor. "Ich bin der vom Glückgesegnete und überreiche Dir den Stern FELICILLAS. Auch hier ist es Deineeigene Entscheidung, wie Du diesen Stern des Glücks den Menschenüberreichst." Und Shalaya verbeugte sich vor dem gütig wirkenden Gott undnahm den Stern entgegen.

Der dritte im Bunde war Paridos. "Ich sorge bei den Göttern für dieHarmonie und überreiche Dir den Stern LEVARSE. Wie die anderen vertraue ichDir, dass Du den richtigen Weg findest, wie Du den Stern der Harmonie am besteneinsetzen wirst!" Wieder verneigte sich Shalaya vor dem schon leichtergrauten Paridos und nahm den Stern entgegen.

Am Schluss trat Lubilaja zu Shalaya. "Ich war und binund werde immer die Liebe sein und darstellen. Ich überreiche Dir denSterACARICIA mit der tiefsten Hoffnung, dass Du ihn richtig weitergibst!" Einletztes Mal verbeugte sich Shalaya und nahm von der liebevollen Lubilaja denStern entgegen.

"Nun mache Dich auf Deinen Weg und erfülle Deine Aufgabe",verabschiedete Xonochas sich von Shalaya.

Zuhause in ihrer Hütte angekommen, verstaute Shalaya dieSterne ACARICIA, LEVARSE und FELICILLAS. Mit dem Stern TRANQUILLAS im Gepäckflog sie nach dem fernen Land Kroslowia, in dem gerade ein erbitterter Kriegherrschte. Nachts, als alle schliefen besuchte sie nacheinander alle Krieger inihren Zelten. Sie nahm deren Schwerter und rieb jedes an dem Stern TRANQUILLAS.Danach packte sie den Stern wieder ein und kehrte in ihre Hütte zurück.
So kam es, dass am nächsten Tag niemand sein Schwert gegen den anderen erhebenkonnte. Nachdem alles versucht worden war, trafen sich die Oberhäupter derLänder und schlossen Frieden. Sie gingen sogar soweit, Botschafter in alleLänder zu schicken um allen von einem Wunder, namens FRIEDEN zu erzählen.

Als nächstes machte sich Shalaya mit dem Stern FELICILLAS auf den Weg.Dieses Mal besuchte sie alle schlafenden Menschen in ihren Träumen. Sie brannteIhnen mit FELICILLAS ein unsichtbares Mal auf die Stirn und sobald die Menschenam Tag darauf sich ihr Gesicht wuschen, bekamen sie den Gedanken, dass ihnenjede gute Tat Glück bringt. Seit diesem Tag waren alle Menschen bemüht, jedenTag eine gute Tat zu vollbringen, damit ihnen das Glück hold blieb.

Shalaya war ziemlich erschöpft und machte sich erst wiedernach einer Woche auf den Weg. Dieses mal mit dem Stern LEVARSE. Sie hatte vonMenschen gehört, die sich paaren und dann nicht mehr verstehen. Danach trifensich diese Menschen vor Gericht, um sich zu trennen. Sie beschloss, dieses Malalle Richter und Richterinnen zu besuchen. Diesen schreib sie in derenTerminkalender mit der unsichtbaren Tinte, die sie aus LEVARSE gepresst hatte,eine geheime Botschaft. So geschah es, dass die Richter und Richterinnen absofort eine wohltuende, harmonische Ruhe und Ausgeglichenheit ausstrahlten. Dashatte zur Folge, dass sich niemand mehr in ihrer Gegenwart streiten mochte. DieRichter und Richterinnen wurden alle Harmonietherapeuten und nach kurzer Zeitverstanden sich alle streitenden Menschen wieder.

ACARICIA bereitete Shalaya am meisten Kopfzerbrechen. Die Menschen neigtenzu dieser Zeit dazu, das am wenigsten anzunehmen, was sie am meisten brauchten.Also musste sie einen Weg finden, den Stern so zu überreichen, dass es keinermerkt. Sie machte sich auf, zu ihrer schwierigsten Aufgabe und besuchte jedenMenschen - jung und alt - auf der ganzen Welt. Jedes Mal tat sie dem jeweiligenMenschen einen Tropfen von ACARICIA in ein Getränk. Sobald es geschluckt wurde,setzte sich der Tropfen in den Herzen der Menschen fest, so dass er darausnicht mehr vertrieben werden konnte.

Es dauerte Jahre, bis Shalaya mit dieser Aufgabe fertigwurde. Sie selbst ist in diesen Jahren jedoch nicht gealtert, sondern nochschöner geworden.

Schöner geworden, in dem sie FRIEDEN, GLÜCK, HARMONIE und LIEBE in sichvereinbart hatte.


PS: Natürlich glaube ich nur an den einen Gott und nicht an Götter. Aber ich habe in der Realschule vieles über die griechische Mythologie gelesen, gehört und gelernt.  Ich habe die Geschichte in die Zeit der Götter spielen lassen, weil das einfach dazu passt. 


geschrieben 2002 - Fortsetzung war geplant, aber bis dato nicht umgesetzt